750 Jahre Ober- und Niederottendorf

Historisches über unsere Dörfer

Geschichtliches von Oberottendorf

Ottendorf wurde - wie die anderen Dörfer um Neustadt - im 13./14. Jahrhundert durch Mainfrankische Bauern urbar gemacht bzw. gegründet (Oberlausitzer Grenzurkunde von 1223).
Die älteste Namensform des Ortes ist Tutendorph (1262). Dies könnte auf den Lokator (Anführer der Gruppe) Tuto hindeuten. Zuerst umfasste der Ort die Flächen von Ober- und Niederottendorf. Erst 1352 wurden die beiden Orte getrennt.
Bevor sich diese Bauern auf den Weg in die neue Heimat machten, stellten sie verschiedene Forderungen: z. B. geringe Abgaben und keine Leibeigenschaft.
Es entstanden Waldhufendörfer, bei denen an der Straße der Hof lag und dahinter als langer Schlauch die Wiesen, Felder und Wälder. Das Wort „Hufe“ war wohl von den fränkischen Gründern mitgebracht worden. Eine fränkische Hufe stellte eine Größe von 26 Hektar dar. Der alte fränkische Baustil ist noch heute an verschiedenen Häusern zu erkennen. Typisches Beispiel dafür ist das evangelische Pfarrhaus an der Neustädter St. Jacobi-Kirche.

Angeregt durch die in Preußen 1806 eingeführte und bestens bewährte Reform, in der Selbstverwaltung der Gemeinden waren auch hier in Sachsen am 7. November 1838 die gesetzlichen Grundlagen zur Verwaltung der Gemeinden in dem selben Sinne erlassen worden. Dadurch wurde mit dem System der Gemeinderepräsentanten, Erbrichter, Gerichtsschöppen und Gemeindemannen gebrochen.
Am 24. April unter Leitung des Gerichts die ersten Neuwahlen des Gemeinderats hier durchgeführt. Der Gemeinderat wählte wiederum den Gemeindevorstand und den Gemeindeältesten.

Der erste gewählte Gemeindevorstand war der Gärtner Karl Gottfried Zimmer, dem in der ersten Sitzung die Gemeindelade mit den vorhandenen Urkunden übergeben wurde. In seiner Amtszeit wurde die Vermessung und Verrainung der ganzen Oberottendorfer Gemeindegemarkung von 1839 bis 1841 vorgenommen. Die Ortslistennummern, die durch den Einbau von Häusern, wo jedes neue Haus eine höhere Nummer erhielt und dadurch durcheinander gekommen waren, wurden neu nummeriert. Der Bachlauf bildete die Grenze. Der Kommunikationsweg nach Putzkau und Bischofswerda auf dem mittleren Fiebig wurde 1843 ausgebaut.
Nach Zimmers 6-jähriger Amtszeit wurde 1845 der Hausbesitzer Samuel Wagner zum Gemeindevorstand gewählt. Unter Wagners Zeit wurde die Wegstrecke, wo heute der alte Weg abzweigt, bis zu Horn, heute P. Pönitz, neu angelegt.
Nach langem Streit mit den Folgenbesitzern, wurde auch der Weg über dem Dorfe bis zur Armsäule (Wegweiser nach Lauterbach/Großdrebnitz), in dieser für diesen Weg unsinnigen Breite von 15 Ellen angelegt und ausgebaut. Auch die Wiesengrundstücke, die links und rechts dieses Weges liegen, wurden in kulturfähigen Zustand gebracht.
Die hintere Halle an die Kirche wurde von beiden Gemeinden gebaut.

Nach Wagners Tod 1854 wurde der Gutsbesitzer und Gemeindeälteste Johann Gottfried Lehner zum Gemeindevorstand gewählt. Unter Lehners Amtszeit wurden am 17. März 1856 das Patrimonialgericht hier aufgelöst und die Akten über Kauf- und Handelssachen, also alle Grundbuchsachen dem Amtsgericht Neustadt übergeben.

Die Wahl des Gemeinderates, die bis dahin vom Gericht geleitet wurde, legte man um 1865 in die Hände des Gemeindevorstandes.
1858 wurde die Kirche mit einem Ziegeldach versehen und auf Betreiben von Pfarrer Exner der Turm aufgebaut. 1860 schieden die beiden Mühlen aus dem Gemeindeverband Oberottendorf aus und wurden Niederottendorf angegliedert. Eine Entschädigung der Müller von 250 Talern wurde abgewiesen.
Der Kommunikationsweg nach Drebnitz wurde 8 Ellen breit, der nach Bischofswerda 14 Ellen breit verraint.

Nach Ablauf von Lehners Amtsperiode wurde vom 1. Januar 1860 der Gutsbesitzer
Traugott Dietze Gemeindevorstand. In seine Amtszeit fällt 1862 der Zukauf des 27 Scheffel großen Stückes Wald zum Gemeindewalde vom ehemaligen Hillmannschen Gute zum Preise von 80 Talern pro Scheffel von den damaligen Besitzern Grübner und Stübner.

Von 1863 bis 66 fand der Bau der Staatsstraße Neustadt-Bischofswerda durch unseren Ort statt, der mit 1100 Taler von Seiten der Gemeinde bezuschusst wurde. 1862 wurden Verhandlungen wegen der Einziehung des Kommunikationsweges nach Steinigtwolmsdorf über niederen Fiebig geführt, was aber erst 1887 durchgeführt wurde.
1864 wurde die Feuergerätekasse angelegt, die Spritze mit Zubringer versehen.
1877 wurde Ottendorf ans Eisenbahnnetz angeschlossen.

1866 wurde der Bau der Staatsstraße fertig gestellt.
Am 20. - 22. Juni 1866 erfolgte der Durchmarsch preußischer Truppen, an die Vieh, Brot, Kartoffeln, Heu und Hafer geliefert wurde.
Am 23. und 24. Juni große Einquartierung von preußischen Truppen.
1867 erfolgte die Geradelegung des Dorfweges bei der Nr. 23, wodurch das Haus mit der Hintertür an den Dorfweg kam (Vetter). Der Dorfweg, der zwischen Nr. 4 u. 5 an Nr. 3 und Erbgericht vorbei ging, wurde, weil durch den Straßenbau überflüssig, eingezogen. Die Gemeindeparzelle wurde an das Erbgericht verkauft.
1868 wurde der Dorfweg von Nr. 103, 106, 116 u. 117 verlegt und hierdurch kamen die betr. Häuser mit der Hintertür an die Dorfwegseite. Die 3 Verbindungswege zwischen Dorfweg und Straße wurden gebaut. Ebenso wurde der Wirtschaftsweg auf das Pfarrgut neu angelegt und der Weg nach dem Gemeindebusche ausgebaut.

1869 wurde nach Lösung der strittigen Platzfrage das Armenhaus neu gebaut. Das Grundstück, wo das alte gestanden hatte, wurde an das Gut Nr. 53 verkauft.
Ebenfalls 1869 wurde die hintere Kirchenhalle abgetragen und tief gegründet wieder aufgebaut.

Dietze starb im Dezember 1884. Er hatte der Gemeinde 24 Jahre lang vorbildlich vorgestanden. Durch sein rastlosen Schaffen hatte sich das Dorfbild zum besten verändert. Vielen war in diesen Jahren neu geschaffen worden. Ihm lag viel an der Pflege des Gemeindewaldes. Auch die Gründung der Jagdgenossenschaft am 12. Oktober 1865 war sein Werk.

Am 1. Januar 1885 trat der neu gewählte Ernst Herrmann Sengeboden sein Amt an, am 7. Januar wurde er offiziell verpflichtet.
Zum Kassierer der Staatssteuer wurde Aug. Vetter gewählt. 1886 wurde der Dorfweg durch die Eisenbahnbrücke bis zu Näther auf 6 m verbreitert.
Eine neue Feuerspritze von Händel, Dresden wurde für 1200 Mark angeschafft.
1887 wurde der ganze Wegetrakt des Dorfweges ins Oberdorf verbreitert und wie eine Chaussee ausgebaut. 1893 wurde die Wegstrecke von der „Wacht am Rhein“ bis zum Eisenbahnviadukt vorschriftsmäßig ausgebaut.

Im März 1886 wurde ein neues Umlagenregulativ beschlossen. Ein Drittel des Bedarfs wurde von Steuereinheiten und zwei Drittel von Einkommensteueraufkommen gedeckt. Von nun an kam die unsoziale Kopfsteuer in Wegfall. Die Steuerkraft der besser gestellten Steuerzahler ließ sich besser ausschöpfen.

Ab 1. Januar 1891 trat die Alters- und Invalidenversicherung in Kraft. Am 1. April 1891 wurde die Gemeindekrankenkasse in eine Ortskrankenkasse umgewandelt. Heinrich Dietze wurde zum Kassierer gewählt.

Am 13. 9.1900 trat das Rittergut dem Feuerlöschverband unserer Gemeinde bei und zahlte 250 Mark als Fonds zur Errichtung einer freiwilligen Feuerwehr. Am 7.12.1900 wurde die freiwillige Feuerwehr gegründet, die Feuerwehr sorgt für Bekleidung und Ausrüstung für 40 Mann. Am 18.2.1901 beschloss man, dass außer der „Freiwilligen Feuerwehr“ noch eine Pflichtwehr von 40 Mann aufgestellt wird.

Im Dezember 1909 trat die Gemeinde mit Konzessionsvertrag dem Elektrizitätswerk Pirna bei.
Ebenfalls im Dezember 1909 wurde ein neues Umlagenregulativ angenommen, mit einer progressiven Steigerung der Abgabe aufs Einkommen. Es wurde aber erst 1911 erstmalig angewandt.

Am 1. Januar 1910 beging unser hochverdienter Gemeindevorstand Sengeboden sein 25-jähriges Amtsjubiläum. Am Vorabend brachte ihm der Männergesangsverein ein Ständchen. Er bekam am 7. Januar, als dem Tag der Bestätigung durch die Aufsichtsbehörde, überbrachte ihm eine Deputation (Abordnung) des Gemeinderates das von der Amtshauptmannschaft gestiftete Diplom. Auch die Amtskollegen des Bezirkes Neustadt hatten es sich nicht nehmen lassen, ihren Kollegen durch überreichen eines Diploms zu ehren. Aus allen diesen Ehrungen geht die Anerkennung der Verdienste, die sich der Jubilar um das Wohl und die Fortentwicklung der Gemeinde erworben hatte, hervor.

Namensentwicklung: 1223 Tutendorph
1352 Ottindorf
1413 Ottendorf
1569 Ober-Ottendorf
1606 Ottendorff
Lage Höhe über NN: 330 m - 433 m
Flächengröße: 772 ha
Einwohnerentwicklung: 1840 - 614 Einwohner
1900 - 850 Einwohner in 143 Wohngebäuden,
davon entfielen ein Wohnhaus und 19 Personen auf das Rittergut

Geschichtliches von Niederottendorf

Bis 1352 umfasste der Ort die Flächen von Ober- und Niederottendorf. 1352 erfolgte die Trennung von Oberottendorf nach Streitigkeiten. Niederottendorf gehörte zur Parochie Oberottendorf.

Erst vom 17. bis zum 19. Jahrhundert bestand dann eine festere Bindung zum Rittergut Berthelsdorf, als dessen Vorwerk das Gut anzusehen ist.

Niederottendorf besaß auch sein eigenes Gericht, den Gasthof zum Erbgericht. Früher befand sich hier als Lichthalter an den Deckenbalken eine kunstvoll aus Holz geschnitzte, 28cm lange Gerichtshand.

Hinter Gut Nr.7 befindet sich am linken Talhang ein 228m langer, 80cm breiter und bis 1,50m hoher Stollen, im Volksmund als Bergwerk bezeichnet. Er stammt laut Inschrift von 1818/19, verläuft ausschließlich im Granoddiorit und lässt die Frage offen, ob er mit einem Bergbauversuch oder mit der Wasserbeschaffung zu erklären ist.

In diesem Gute (Pietsch/Roitzsch) befand sich um die Jahrhundertwende das Gemeindeamt, wo Alwin Haufe als Bürgermeister wirkte.

Gründung: 1352 Trennung von Oberottendorf nach Streitigkeiten
Lage Höhe über NN: 350 m - 410 m
Flächengröße: 505 ha
Einwohnerentwicklung: 1840 - 543 Einwohner
1900 - 735 Einwohner in 110 Wohnhäusern

Quelle: Chronik Stange


 
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